Papier macht schlau – ein Buchtipp

Print ist tot. Diese These wurde so oft wiederholt, dass man übersieht: Print lebt. Genauso wie mechanische Uhren, Vinyl-Schallplatten oder prächtige Bildbände. Ein neues Medienmagazin zeigt, warum.

„Print. Ein Plädoyer für Slow Media“, lautet der Titel der ersten Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift turi2 edition. Und die Macher zeigen gleich, wie ernst sie ihre eigene Forderung nehmen: Über 200 Seiten statt dürres Blättchen, lange Textstrecken statt Quickies für zwischendurch, Anspruch statt Trivialität. Denn Herausgeber Peter Turi ist sicher, dass die Sehnsucht nach analoger Qualität wächst. „Stellen Sie sich vor, in Ihrer Nachbarschaft eröffnen zwei Schnellrestaurants – verkaufen Sie deshalb Ihre Küche und stellen den Besuch im Feinschmecker-Restaurant ein? Sicher nicht“, schreibt er im Editorial.

Sein Magazin bietet deshalb Feinschmecker-Texte. Miriam Meckel, Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“, feiert Print als „Wiederentdeckung der Langsamkeit“: „Nicht print oder digital macht den wesentlichen Unterschied. Es ist das Verhältnis aus Zeit, die wir für ein Medium aufwenden, und der Zeit, die uns sein Angebot dank toller Texte und anregender Analyse abknapst, die es für uns wertvoll macht.“ Der Hirnforscher Hans-Georg Häusel erklärt in einem Interview, warum man Kindern Gedrucktes geben sollte. Oliver Jahn, Chefredakteur der deutschen „AD Architectural Digest“, beschreibt sein Leben mit 15.000 Büchern. Und „Zeit Magazin“-Redakteur Tillmann freut sich schon darauf, Deutschlands letzter Zeitungsleser zu sein.

Das Magazin zeigt die ganze Faszination von Print. Es macht neugierig, es fordert Aufmerksamkeit, es bietet viele überraschende Erkenntnisse. Und beweist damit, dass Print so attraktiv ist wie eh und je.

Wer Lust aufs analoge Lesen bekommen hat: Die turi2 edition „Print. Ein Plädoyer für Slow Media“ gibt es in vielen Kiosken oder hier.